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Entspannungstraining

Durch Entspannungsübungen wird eine Veränderung physiologischer Reaktionen herbeigeführt.

Die bekanntesten Entspannungsverfahren sind das "Autogene Training" und die "Progressive Muskelrelaxation".

Indikationen

Entspannungsverfahren werden je nach Symptomatik als eigenständige Therapieverfahren oder im Rahmen einer Psychotherapie eingesetzt.

Bei Nervosität, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, funktionellen Magen-Darm-Störungen, Gastritis oder Reizkolon, Herz-Kreislauf-Störungen, Arrhythmien, Angina pectoris, Hypertonie oder Erröten, Muskel- und Gelenkerkrankungen, Stresssymptomen und Angsterkrankungen.

Durch das Erlernen einer Entspannungsmethode wird eine Verminderung des allgemeinen Erregungsniveaus erreicht.
Es wird eine Reduktion des Muskeltonus, eine langsame und gleichmäßige Atmung, eine verlangsamte Herzfrequenz, eine Synchronisierung des EEG und eine verstärkte Durchblutung der Extremitäten erreicht. Subjektiv wird ein Gefühl der Entspannung erlebt. Besonders bei der "Progressiven Muskelrelaxation" wird eine verstärkte Sensibilität für die Wahrnehmung von Anspannung und Entspannung erreicht. Somit werden im Alltag körperliche Verspannungen frühzeitig bemerkt, was wiederum zu einer effektiveren Selbstkontrolle führt.

Wirkmechanismen der Entspannung

  • Psychische Veränderungen durch das Erlernen von Entspannungsverfahren.
  • Affekte und Emotionen lassen sich weniger leicht provozieren. Es treten Gelassenheit, weniger Erregungs- und Angstzustände auf.
  • Mentale Frische nach dem Üben. Eine Zunahme der Merk- und Konzentrationsfähigkeit.
  • Schmerzlinderung, bessere Akzeptanz der Störung. (Klienten berichten von einer deutlichen Abnahme der Häufigkeit und Intensität ihrer Beschwerden.)
  • Mehr Selbstbestimmung durch das Erleben, die körperliche und seelische Befindlichkeit selbst beeinflussen zu können.
  • Vertiefte Innenschau. (Die innere Ruhe ermöglicht es den Klienten, sich mit Impulsen aus ihrem "Innenleben" auseinander zu setzen.)
  • Die Möglichkeit, sich leichter vor Außenreizen zu schützen. Geräusche, Veränderungen in der Temperatur werden weniger bis gar nicht wahrgenommen und irritieren nicht mehr.

Körperliche Veränderung durch Entspannungsverfahren

  • Entspannung der Skelettmuskulatur und der gesamten Muskulatur.
  • Auswirkungen auf das Kreislaufsystem. Periphere Gefäßerweiterungen, langsamerer Pulsschlag, Senkung des Blutdrucks und langfristige Regulation.
  • Die Atemtätigkeit wird langsamer und gleichmäßiger. Dadurch erfolgt eine optimale Sauerstoffausnützung und angenehme, beruhigende Rhythmisierung.
  • Die Hautleitfähigkeit (Zeichen vegetativer Entspannung) nimmt zu.
  • Die Gehirndurchblutung wird gesteigert, wodurch eine bessere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit erreicht wird und Kopfschmerzen gelindert werden können.
  • Die hirnelektrische Aktivität (gemessen durch EEG) verändert sich typisch und zeigt ein Wellenmuster, das sich von allen Wach- als auch Schlafphasen unterscheidet. Dieser Veränderung liegt die Umschaltung im neurovegetativen Nervensystem zugrunde.

Methoden der Entspannung

Autogenes Training

Das Autogene Training, von I.H. Schultz entwickelt, ist eine Methode der Konzentration auf Ruhe und Erholung. Dieser Zustand der körperlichen Entspannung, der nicht nur subjektiv wahrgenommen, sondern  auch objektiv messbar ist, wird erreicht, wenn wir uns schrittweise folgende Übungen vorstellen.

  1. Ich bin ganz ruhig.
  2. Meine Arme sind angenehm schwer. Durch die passive Konzentration auf die Schwere wird eine Muskelentspannung erreicht.
  3. Meine Arme sind angenehm warm. Durch das Wärmeerlebnis wird eine Gefäßentspannung erreicht. Über Messinstrumente lässt sich beobachten, dass dieses Wärme- und Entspannungsgefühl nicht nur subjektiv empfunden wird, sondern objektiv in einer Erhöhung der Hauttemperatur messbar ist.
  4. Das Herz schlägt ruhig und gleichmäßig.
  5. Die Atmung ist ganz ruhig und gleichmäßig. Durch die Atemübung wird das Schwere- und Wärmeerlebnis verstärkt.
  6. Sonnengeflecht, strömend warm. Diese Vorstellung führt zu verstärkter Peristaltik und zu verstärkter Durchblutung des Magen-Darmtraktes.
  7. Die Stirn ist angenehm kühl.

Bei den einzelnen Übungsschritten können auch unangenehme Empfindungen auftreten. Es ist wichtig das Autogene Training unter fachlicher Anleitung zu erlernen.

Habe ich die Fähigkeit, mich selbständig zu entspannen erlernt, kann ich jederzeit abschalten und ruhig bleiben. Dadurch sind körperliche und seelische Belastungen besser zu bewältigen.

Progressive Muskelralaxation

Bei der Progressive Muskelralaxation nach E. Jacobson wird, durch die Anspannung und Entspannung verschiedener Muskelgruppen, ein Zustand der körperlichen und mentalen Entspannung erreicht. Durch die Abfolge von An- und Entspannung wird gezielt der Unterschied zwischen den beiden Zuständen wahrgenommen. Dadurch werden auch kleine Restspannungen gelöst.

Grundsätzlich lernen wir bei der Progressiven Muskelentspannung, alle Muskeln des Körpers in bestimmter Reihenfolge anzuspannen und zu lockern.

Gleichzeitig werden Spannung und Entspannung aufmerksam und sorgfältig wahrgenommen.

Das bedeutet, Spannung und Entspannung im Alltag wahrzunehmen und zu lokalisieren

Die Progressive Muskelralaxation zielt darauf ab, eine Verringerung der Muskelspannung im Körper bis weit unter das übliche Anspannungsniveau zu ermöglichen, wann immer die Übung durchgeführt wird.

Zu Beginn werden 16 Muskelgruppen angespannt und entspannt. Je mehr Übung wir haben, desto geringer wird die Zahl der Muskelgruppen, die anzuspannen und zu entspannen sind. Mit viel Übung gelingt es dann, dass wir uns nur mehr an das Gefühl der Entspannung erinnern, ohne die Muskeln vorher anzuspannen.

Entspannung ist kein Zauber, sondern eine erlernte Fähigkeit, die wir in allen Alltagssituationen abrufen können.

Einzel- und Gruppentherapie können mit den Krankenkassen zum Teil rückverrechnet werden.

Zusatzversicherungen übernehmen oft die Gesamtkosten.

Gruppentherapien finden in regelmäßigen Abständen statt.

Die Teilnahme an einer Gruppe besteht aus fünf Abendterminen zu je 2,5 Stunden.